Land art and site specific sculpture - land art uses the environment and its scale as its material. Concrete art is expressed in material itself with which the artist introduces her non-representational objective. Public art can be viewed and accessed by observers.
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BM
Ausgabe 2001-21
vom 26.05.2001
Ressort: Magazin
Seite 10 11

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LANDART

Geometrie mit Kopfweiden

Der holländische Bildhauer Lucien den Arend schuf neben geometrischen Skulpturen auch landschaftsbezogene Arbeiten im Stil der Landart, oft mit Kopfweiden, die er in Kreisen, Spiralen und Rastern anordnet und mit Farben markiert.

Von Marie-Luise BlatterLucien den Arend berichtete letzten Winter an der ETH Zürich über seine Projekte, in einer Veranstaltung der Professur für Landschaftsarchitektur. Damals vereinbarten wir einen Besuch vor Ort, sobald das erste Grün da sei. Und so trafen wir uns am 1. Mai im Niederländischen Architekturinstitut in Rotterdam, um Den Arends Arbeiten in der Stadt und in deren näherer und weiterer Umgebung zu besuch! ! en.

Erste Station war der Marconiplein westlich vom Rotterdamer Zentrum. An ihn grenzen drei berühmte Siedlungen von J.J.P. Oud (1890-1963), Chefarchitekt von Rotterdam ab 1918 und mit Piet Mondrian, Théo van Doesburg und Gerrit Rietveld einer der Hauptvertreter der De-Stijl-Bewegung: Eine ist die Siedlung Spangen (1918-20), für die Van Doesburg die Farbgestaltung von Innenräumen und bleiverglaste türfenster, Rietveld die Möbel der Musterwohnung entwarf. Als bei einer Billigsanierung die farbigen Glasfenster herausgerissen wurden, hat Den Arend mehrere erworben. Weiter liegt beim Marconiplein die Siedlung Tusschendijken (1921), die teils zerstört ist, und die Siedlung Oud Mathenesse (1923), die man 1985 abgerissen und mit kleinen änderungen neu aufgebaut hat. Rekonstruiert wurde auch das Gebäude der damaligen Bauleitung aus gestapelten Kuben in Rot, Blau, Gelb, Weiss; also eine «neoplastische» Architektur, ähnlich einem Bild von Mondrian. *
! !

In diesem Pionierquartier der geometrischen Moderne, wo in jüngerer Zeit wenig Qualitätsvolles entstanden ist - auch drei Hochhäuser von Skidmore, Owings & Merrill stellen keine grosse Verbesserung dar - liegt der weite, zugige Marconiplein. Hier sollte Den Arend - der als ein Repräsentant der jüngeren «Dutch Geometric Abstraction» gilt, eine Skulptur schaffen, die ein Zentrum, einen Ruhepunkt bildet im Chaos aus Bauten, Verkehrsflächen, Masten, Schildern, Farben etc. Trotz der Grösse des Platzes gab es übrigens kaum genug Raum für die Skulptur, denn der durchgehende Deich, die Strassen, die Tram-und Metro-Trassen und die vielen Leitungsschächte durften nicht tangiert werden.

Aber das unmöglich Scheinende ist Den Arend gelungen mit einer Skulptur, die den Arbeitstitel «Perpendicular Planes» hatte und die er später mit Bezug auf den Ort «Marconi Walls, Homage to Oud and van Doesburg» taufte. Es sind drei weisse Beto! ! nquadrate mit 7,5 m Seitenlänge, die - je mit einer Ecke auf einem Dreiecksfundament stehend - gegeneinander stürzen bzw. sich gegenseitig stützen. «Die Skulptur ist 15 m breit, 9 m hoch, wiegt 84 t und kostete 1 Gulden/kg», so Den Arend, der noch lachend hinzufügt: «Ich mag Zahlen.»

Von den labilen Quadraten fahren wir nach Barendrecht. Hier hat Den Arend 1985 im neuen Wohnquartier Molenvliet ein Landart-Projekt realisiert, das das Artifizielle der Landschaft spielerisch durch Mathematik und Geometrie noch potenziert. So liess er, wo ein nierenförmiges Wasserreservoir vorgesehen war, einen 80 m x 50 m grossen See mit einer 30 m x 30 m grossen Insel graben. Auf die Insel pflanzte er gitterförmig 16 x 16 Kopfweiden. Im Zentrum dieses Quadrats aus 256 Bäumen steht ein Kubus und darauf ist wie im Kolophon eines alten Buches geschrieben, wer das Werk ge-macht hat, wann und für wen.

«APOLLINISCH»

Das Projekt tr! ! ägt den Namen des Malers Pieter Janszoon Saenredam (1597-1665), der, wie Den Arend es formuliert, «eine apollinische, sehr kalkulierte, wissenschaftliche Art zu arbeiten hatte. Seine Gemälde von Kirchenräumen mit ihrer klaren, transparenten Atmosphäre sind so exakt konstruiert, dass man verschwundene Bauten danach neu bauen könnte.» Weil Den Arend sich dieser rationalen Kunst geistesverwandt fühlt, machte er diese homage an Saenredam, die er mit einer Stiftung zur Erhaltung des Werks verband. In der Satzung ist festgelegt, dass die Weiden alle drei Jahre geschnitten und dass alle zwölfeinhalb Jahre Stämme und äste weiss gekalkt werden müssen. Das Weiss soll an das kühle Leuchten, die idealen Helligkeiten in Saenredams Kirchen erinnern. An Saenredams Geburtstag im Juni gibt es Veranstaltungen, z. B. ein Ballett auf dem Wasser oder auf der Insel. Derzeit plant ein israelischer Künstler eine Arbeit, die er «Full Moon» nennt. ! ! Im Kunstwerk eines andern etwas zu tun, ihm etwas hinzuzufügen, sei ein altes Prinzip, sagt Den Arend. So fügten Maler oft Figuren oder Blumen in das Werk eines Kollegen ein. Den Arend erzählt weiter folgende Anekdote: Die Arbeiter, die auf dem ehemaligen Rosenkohlfeld den rechteckigen See mit Insel aushoben, verschoben diese Insel ca. 10 m, weil ein Anlieger keine Kunst hinter seinem Garten haben wollte.

Bei einem Projekt für Saenredam, der so exakt arbeitete, habe er solche Veränderungen aber nicht hinnehmen können, sagt Den Arend. Also wurde alles doch an seinen exakten Platz gebracht und dabei ein Teil der Insel neu aufgeschüttet. Und genau dort wuchsen dickere Kopfweiden. Es sind aber nicht etwa Bäume besserer Qualität, wie die Behörden vermuteten, als sie den Unterschied konstatierten, sondern der aufgeschüttete Boden ist fruchtbarer.

Kopfweiden waren früher in Holland sehr verbr! ! eitet. Aus ihren Zweigen wurden u. a. Matten geflochten, die man in Verbindung mit importierten Steinen für das schichtweise Bauen der Deiche brauchte. Heute benutzt man dafür Kunststoffmatten und Betonsteine. Und Kopfweiden gelten als Naturdenkmale und werden von Naturschützern verteidigt, ge-pflanzt und geschnitten. Eine solche Gruppe schneidet auch Den Arends Kopfweidengitter in Barendrecht. Den Arend hat noch andere Projekte mit Kopfweiden realisiert. Die Verwendung dieser markanten Bäume wie auch das Kalken der Baumstämme und äste entstammen Bildern aus seiner Kindheit.

Lucien den Arend wurde 1943 in Dordrecht geboren, der Vater war Zigarrenhändler in Zwijndrecht, auf der andern Seite der Oude Maas, und fuhr in einem alten Chevrolet zum Einkaufen und Verkaufen über die Dörfer von Brabant, mit Lucien im Fonds, der auf einem Stapel Zigarrenkisten sass und die Landschaft betrachtet: In Kurven und bei Gehöften waren ! ! die Baumstämme als Wegmarken oder zur Warnung weiss gekalkt und Lucien sah damals, wie die einzelnen Farbfelder je nach Geschwindigkeit und Blickwinkel zu Bändern und Mustern verschmolzen. Als er neun Jahre alt war, emigrierten die Eltern in die USA. In Kalifornien besuchte er die Schulen und die Universität, studierte Kunst und im Nebenfach Sprachen, auch Russisch. Um dem Kriegsdienst in Vietnam zu entgehen, kehrte er nach Holland zurück und arbeitete als Primarlehrer, bis er sich als frei schaffender Künstler etablieren konnte. Zeitweise unterrichtete er an der Königlichen Akademie in Den Haag und an der Rietveld-Akademie in Amsterdam. Er war auch Sekretär des Rings holländischer Bildhauer und initiierte und organisierte in dieser Funktion Ausstellungen, so den «Beeldenpark Drechtoevers», einen Skulpturenpark an der Oude Maas in Zwijndrecht, wo Künstler ihre Werke vorübergehend oder auf Dauer ausstellen. Es gelang ihm, 1996 zur Eröffnung Königin Beatrix zu gewinnen. Derzeit ! ! stehen 30 Skulpturen dort. 1999 zeigten im Rahmen einer Ausstellung bulgarischer Künstler in Dordrecht fünf Bildhauer im «Beeldenpark» von Zwijndrecht ihre Werke; wieder kam die Königin zur Eröffnung, diesmal mit dem bulgarischen Ex-König Simeon II., der aber nicht allen in Dordrecht passte.

In Zwijndrecht zwischen alten Häusern hat Den Arend in den 70er Jahren sein Atelier ge-baut, in dem er auch zeitweise wohnte mit seiner finnischen Frau, drei kleinen Kindern und zwei älteren Adopt---öchtern. Heute lebt die Familie im Nachbarhaus und während des Sommers in Finnland. Das Atelier aus Holz, und Glas, mit ein paar Farbakzenten erlaubt derzeit noch den Blick auf die Oude Maas und die Kirchtürme von Dordrecht. Innen herrscht ein kreatives Chaos aus Computern (Den Arend zeigt seine Arbeiten im Internet: www.denarend.com), Materialien aller Art, Skulpturen von Donald Judd, einem Wohnwagen, Kleidern usw.; auf dem Dach steht! ! ein Glashaus mit Van-Doesburg-Fenstern.

ARCHITEKTONISCH

Von Den Arends Wohn- und Arbeitsort fahren wir zur Dirksland-Brücke, Teil eines Environment-Designs von 1984/89 für die Umfahrung von Dirksland und Middelharnis, Ortschaften auf der Insel Goerree in Südholland. Es ist eine Brücke, die wie eine dünne Planke im rechten Winkel von Deich zu Deich über einen Kanal führt, mit zwei Stütze beidseits des Kanals. Neben diesen Stützen gibt es Wände, die die Strasse bzw. den Weg am Kanal vor Überflutung schützen. All diese Betonflächen sind sorgfältig komponiert neben- und übereinandergesetzt und auch farblich unterschieden. Das Rot, Gelb, Weiss, Blau ist allerdings verschmutzt oder grünlich vom Flechtenbewuchs. Und natürlich gibt es Sprayereien.

Zum Projekt gehören auch ein Baumkarree sowie mehrere 100 m lange Pappelreihen, die nicht 'soldatisch parallel zur Strasse laufen', sondern schräg im Abstand von 24 m gepflanzt sind und von der Strasse durchschnitten werde! ! n. Beim Fahren entsteht ein Effekt, den Den Arend «flip over» nennt: Das Springen von der Vorder- zur Rückseite der Baumreihen.

Der Einbezug von Künstlern, wie er damals praktiziert wurde, sollte helfen, Alltagsbauten zu verbessern. Dass Den Arends gelber Kubus für die Pumpstation am Kanal nicht gebaut wurde und statt dessen eine Art Bauernhaus aus Beton, ist für solche Projekte eher typisch. Er berichtet auch von Arbeiten, die dem Mehrverkehr oder dem Protest von Anwohnern weichen mussten, auch von solchen, die er zurückbekam. Wer Kunst im öffentlichen Raum macht, müsse robust sein. Es gebe zwei gute Momente für den Künstler: Wenn er den Auftrag bekommt und wenn er fertig ist und das Foto macht. Dazwischen liege vor allem ärger mit Behörden. Man merkt Den Arend aber an, dass er diesen Streit auch oft lustvoll findet.

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«Marconi-Walls, Homage to Oud and van Doesburg», Rotterdam, 1986. FOTOS LUCIEN DEN AREND

Element des Designs für die Umfahrungsstrasse S 47 bei Dirksland, Südholland, 1984/89.

Gothic II, Noordpark, Oude Maas, 1981-96. Aus: Katalog Beeldenpark Drechtoevers.

Lucien den Arends Atelier in Zwijndrecht.

FOTO MARIE-LUISE BLATTER

Pieter-Janszoom-Saenredam-Projekt, 1982-85, Barendrecht. Rechteckige Wasserfläche mit Insel, darauf 256 Kopfweiden. Diese werden regelmässig geschnitten, ihre Stämme weiss gekalkt.

Kreis gekappter Bäume (Salix Alba) in Dordrecht 1972, gefällt 1978, später rekonstruiert.

«Dance macabre», 1988. Den Arend erzählt dazu, dass Mondrian einst Tulpen weiss anmalte.

Projekt für Saenredam. Den Arend bewundert den Maler, dies «Genie der Sachlichkeit».

LITERATUR

Ursula Poblotzki, Topos, European Landscape Magazine, Lucien den Arend: Landscape as project. München 1993, Heft 3.

* Das Niederländi! ! sche Architekturinstitut in Rotterdam zeigt bis 9.9. eine grosse Oud-Ausstellung. Katalog, 608 S., in Englisch, 175 Gulden.

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